Mile du, mile deka

 

... bedeutet „Wir sind zusammen…wir sind eins“ in Ewe und Mina. Das sind Sprachen, die vor allem im Süden von Togo hauptsächlich gesprochen werden. „Mile du“ wird bei Verabschiedung oder auch als unterstützende Bemerkung gebraucht. Es ist zu meinem Lieblingsausduck geworden und drückt aus, was mich bewegt diese Arbeit zu machen.

 

"Mile du" ist mein ganz persönliches Herzensprojekt. Ich habe lange überlegt, ob es auf dieser Webseite Platz finden sollte oder nicht. Wie man sieht, habe ich mich dafür entschieden. Ich möchte keine weitere Webseite pflegen müssen und dieses Projekt ist Teil von mir, darf also auch als solcher wahrgenommen werden. Es hat mit dem Coaching direkt nichts zu tun. Daher dürfen alle, deren Interesse ausschließlich der Coaching Arbeit dient, an dieser Stelle gleich wieder wegklicken. Wer darüber hinaus an einem Blick über den Horizont Richtung Afrika Interesse hat, ist herzlich eingeladen weiter zu lesen.

 

 

Meine persönliche Motivation

 

Seit ich Togo 2008 kennen gelernt und von 2012 bis 2014 dort gelebt habe, fühle ich mich mit diesem Land und seinen Menschen verbunden. Trotz aller Fremdheit habe ich mich immer tatsächlich zuhause gefühlt. Ich habe dort sehr einfach gelebt, ohne Strom und ohne fließendes Wasser; ich habe meine Wäsche im Fluss gewaschen wie die Einheimischen. Und ich habe es geliebt so zu leben, aber es war meine freie Wahl und ich verfügte über ein Rückflugticket und ausreichende Mittel für meinen Lebensunterhalt.

 

Die Mehrheit der Menschen in Togo lebt unter sehr einfachen, oftmals sehr armen Bedingungen. Es gibt kein Arbeitslosengeld, keine Sozialhilfe oder Krankenversicherung und so entstehen extrem schwierige Lebensbedingungen, wenn es keine Arbeit gibt, wenn Menschen krank werden und wenn Frauen plötzlich alleine mit ihren Kindern dastehen. Letzteres habe ich so oft miterlebt. Ich kenne selbst die Belastung, die es bedeutet mit Kindern allein zu wohnen und zu arbeiten. Dabei hatte ich ein sicheres Einkommen und den Vater der Kinder, der seine Verantwortung getragen hat. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn man das alles nicht hat.

 

Wenn es den Eltern nicht gut geht, geht es auch den Kindern nicht gut. Materiell, so wie auch emotional. Kinder sind unsere Zukunft. Sie sollten eine gesunde Basis bekommen, um gedeihen zu können. Das ist für uns alle wichtig. Egal ob hier in Deutschland oder in Afrika. Für Kindeswohl zu sorgen ist eine globale Aufgabe.

 

Mich persönlich hat das Leben nach Togo geführt und seit ich dort war, ist es mir ein besonderes Anliegen dafür zu sorgen, dass es in Deutschland mehr Information über das Leben in Afrika gibt. Ich hatte zuvor überhaupt keine Ahnung von diesem Kontinent und hatte lauter falsche Bilder im Kopf. Es ist mein Wunsch zu mehr Kennenlernen, Austausch, Verbindung, Vernetzung und Zusammenarbeit beizutragen und so letztendlich meinen Teil zu  mehr Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und Wohlstand beizutragen.

 

 

Ich hatte das Glück in wohlhabenden Verhältnissen groß zu werden und ich persönlich empfinde es als meine Verantwortung dieses Geschenk zu nutzen und es mit anderen zu teilen. Ich konnte die Schule besuchen, eine Ausbildung machen, studieren, reisen, lesen etc. und alles, was ich an Erfahrung und Wissen angesammelt habe, sollte einen Sinn haben. Für mich liegt dieser Sinn in der Weitergabe. Ich möchte meine Fähigkeiten zum Wohle aller nutzen, vor allem derer, die all diese Chancen nicht hatten.

 

Menschen, deren essenzielle Lebensbedürfnisse wie Nahrung, Kleidung und ein sicheres Dach über dem Kopf nicht befriedigt werden können, haben intrinsisch keine Freiheit sich zu entfalten. Wenn  es extrinsisch bedingt darüber hinaus keinen oder kaum Zugang zu Bildung gibt, fehlen wichtige Voraussetzungen dafür ein selbständiger, unabhängiger, freier Bürger werden zu können, der sein Leben nach eigenen Vorstellungen innerhalb einer Gesellschaft gestaltet und so die Gesellschaft mitgestaltet und zu deren Evolution beiträgt.

 

 

 

 

 

Ein kleines bisschen Background

 

Togo ist ein kleines Land im südlichen Westafrika. Es ist ein schmales ca. 550 km langes Land mit nur ca. 50km Küste, umgeben von Ghana im Westen, Benin im Osten und Burkina Faso im Norden. Die Hauptstadt Lomé ist eine Millionen Stadt, die einen der größten Häfen in Westafrika beherbergt. Die Vegetation ist tropisch, im Süden üppig grün; zum Norden immer trockener werdend. Die Menschen leben hauptsächlich vom eigenen Anbau und dem informellen Handel. Außer Kaffee und Kakao wird wenig exportiert. China ist der Hauptimporteur, der das Land mit jeder Menge billiger Ware von minderer Qualität überschwemmt. 85% der Bevölkerung verdienen sich ihr tägliches Brot im informellen Sektor. Überall wird Handel getrieben, an den Straßen, von Haus zu Haus, auf den Märkten.

 

Togo war von 1884 bis 1914 deutsche Kolonie, bevor es im 1. Weltkrieg an Frankreich fiel. Landesgrenzen wurden willkürlich neu gezogen und Gebiete unter den Briten und Franzosen aufgeteilt. Das jetzige Togo wird seit über 50 Jahren von der Familie Gnassingbé regiert. Faure Gnassingbé, der Sohn des ehemaligen Diktators Eyadema Gnassingbé, ist seit 2005 Präsident der präsidialen Mehrparteien Republik Togo.

 

Ausführliche Hintergrundinformationen sind online leicht zu finden.

Zum Beispiel hier: https://www.togo-contact.de/ueber-togo/

 

 

 

 

Wie alles begann

 

Seit 2017, als ich zuletzt für mehrere Monate in Togo war, unterstütze ich Angèle Folly und ihre Kinder. Der Auslöser war der Unfall von Angèles großem Sohn Stan (jetzt 19), der dabei einen Fuß verloren hat. Die Krankenhauskosten und seine Betreuung hatten Angèle völlig aus der Bahn geworfen. Sie hatte bereits vieles, was sie besaß, verkauft und hatte aktuell Probleme ihre Miete zu bezahlen. Das hat zu meinem ersten Spendenaufruf unter Freunden geführt und so haben wir ein Jahr Mietkosten für Angèle übernommen und eine Gruppe von Menschen entstand, die Angèle seitdem monatlich unterstützt, so dass sie sich wieder fangen konnte und inzwischen wieder einen kleinen Handel aufgebaut hat.

 

 

 

Aktuelles Basisziel

 

Meine primäre Idee ist, vor allem alleinstehenden Müttern zu einem Grundauskommen zu verhelfen, damit sie

 

  • sich und ihre Kinder ernähren können,
  • die Kinder zur Schule schicken können,
  • sich eine Existenz aufbauen können und
  • eine Reserve für Unvorhergesehenes zurücklegen können
  • letztendlich unabhängig werden.

 

Neben dem finanziellen Faktor spielt Ermutigung eine wichtige Rolle. Meine Erfahrung bislang ist, dass es für die Frauen von besonderem Wert ist, wenn ihnen Interesse an ihrer Person und Vertrauen in ihre Fähigkeiten entgegengebracht wird. Es fehlt an Selbstvertrauen und an Glauben an Selbstwirksamkeit, an eine Zukunft, die besser aussehen kann. Ich versuche zu ermutigen, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und wertschätze, was sie bereits leisten und wie viel Energie darin schon steckt. Ich frage, wovon sie träumen, wie sie leben wollen und bestärke sie die ersten Schritte in diese Richtung zu machen. Mir ist allerdings auch klar, dass wir uns kulturell völlig unterscheiden. Menschen denken anders, Wertigkeiten sind anders… Afrika ist komplex, vielseitig, widersprüchlich, gegensätzlich…man muss es erlebt haben. Es ist schwer zu beschreiben.

 

Langfristig würde ich gerne den Zugang zu mehr Bildungsprojekten fördern, um besonders Frauen zu bestärken und sie im Aufbau ihres eigenen Weges zu unterstützen. Viele Frauen haben kaum die Schule besucht und haben deshalb Schwierigkeiten, sich um die Unterstützung zu bewerben, die es z.B. in Form von möglichen Mikrokrediten bereits vor Ort gibt. Es gibt nur eine kleine Auswahl an Ausbildungen und die, die es gibt, sind kostenpflichtig, ebenso wie die Schulen. Es fehlt an Wissen über den eigenen Körper, über Ernährung und Gesundheit, wohingegen altes traditionelles Wissen oft noch vorhanden, aber weniger genutzt wird, weil das neue -die westliche Medizin- für besser gehalten wird.  Ich persönlich kann und will dort kein Wissen vermitteln. Viele Frauen sprechen kaum oder gar kein Französisch. Außerdem gibt es bereits erfolgreiche Projekte und viele Ideen von Togolesen, die dafür besser geeignet sind. Das Land braucht keine weiteren Weißen, die glauben alles besser zu wissen. Ich möchte zusammenarbeiten, vernetzen, Ideen unterstützen und Ressourcen mitermöglichen, weil ich davon überzeugt bin, dass diese Welt nur funktionieren kann, wenn wir Menschen lernen miteinander zu arbeiten und füreinander da zu sein.

 

Letztendlich braucht es einen Wandel auf gesellschaftlicher und politischer Ebene, um wirtschaftliche Barrieren und Abhängigkeiten aufzubrechen. Ein riesiges komplexes Thema weltweit.  Aber bis ein Wandel kommt, muss jetzt etwas geschehen, damit das, was an Potenzial in Fülle vorhanden ist, auch genutzt werden kann.

 

 

Weitere Ziele:

 

  •  Ausbildungs Stipendien
  • Startup Finanzierungen
  • Finanzierung von Bildungsprojekten
  • Vernetzung und Kooperation mit bereits bestehenden NROs und Projekten

 

 

Vision

 

      Ein großangelegtes Projekt zur Erforschung der Wirkung von Grundauskommen. (Was passiert, wenn die Menschen eines Dorfes eine bestimmte Zeit lang ein Grundauskommen haben?)

 

 

 

Notwendigkeit?

 

Ich würde gerne einen Verein gründen oder das Projekt in einen bestehenden integrieren, mich mehr austauschen, weitere Meinungen hören, Anregungen, Kritik… Jeder Mensch ist mir sehr willkommen, der bei der Realisierung mithelfen will! Bis dahin mache ich weiter wie bisher.

 

 

Aktuelles Prozedere

 

Ich habe inzwischen ein eigenes Konto ausschließlich für die Unterstützungen zwecks Weiterleitung nach Togo. Einer der bereits beteiligten Unterstützer wirft monatlich einen Blick auf die Kontoein- und Ausgänge. Eine Art Schatzmeister gibt es also bereits.

 

Zu Beginn jedes Monats überweise ich per XOOM direkt an Angèle in Lomé (s.o. Angèle Folly, mit der alles begann) und an meinen guten Freund und Vertrauten Facil (offiziell heißt er Kokou Gnandi) in Agomé Yoh nahe Kpalimé. Facil teilt das überwiesene Geld nach Absprache mit mir unter den derzeit beteiligten Müttern und Kindern auf.

 

Für Facil ist diese Aufgabe zu einem regelrechten Job geworden, für den er auch ein „Gehalt“ bekommt. Er ist ständig in Kontakt mit mir und den Familien, informiert mich über die Situation, bespricht mit den Frauen, was es braucht und was sie machen wollen. Er erkundigt sich nach den Kosten für medizinische Behandlung, organisiert bestimmte Anschaffungen und tätigt die Schulanmeldungen. Er schickt mir Fotos und Videos. Ohne ihn könnte ich das Ganze nicht organisieren. Ich bin froh, dass er sich dieser Aufgabe angenommen hat. Er ist froh, dass er eine, auch in seinen Augen, sinnvolle Tätigkeit gefunden hat.

 

 

Aussicht

Im November 2021 möchte ich wieder nach Togo reisen, sofern das aktuelle Geschehen es zulässt. Wer mich begleiten will, ist herzlich willkommen. Eine mögliche Unterbringung ist das Hotel Parc Residence, das von meiner Freundin Ute und ihrem Mann Kodjo geleitet wird. Anzuschauen unter www.hotel-parc-residence.com.

 

 

Mehr Infos gerne jederzeit persönlich unter 0157- 83874049 oder per E-mail privat an kirsten.vondendriesch@gmail.com.

(Stand 02/2021)